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So plane ich eine Anlage

Zeichnung der zukünftigen Anlage

Immer wieder wird die Frage gestellt, wie man eine Modellbahn planen soll, bzw. ob ich einen Gleisplanentwurf kommentieren würde. Meine Antworten sind eigentlich immer ähnlich:

Schritt 1: Was will ich sein?
Schritt 2: Was will ich darstellen?
Schritt 3: Finde ein Streckenkonzept
Schritt 4: Konstruiere deine Bahnhöfe
Schritt 5: Der Weg ist das Ziel
Schritt 6: Der "Testkreis"

 


 

Schritt 1: Was will ich sein?

Kleiner Lokführer auf grosser Fahrt

Zuerst musst du herausfinden, welche Rolle du beim Modellbahnbetrieb spielen willst:

Lokführer: Der Lokführer fährt mit "seinem" Zug durch die Landschaft. In der Praxis kann das so aussehen, dass man mit einem Walk-Around-Handregler neben seinem Zug herläuft. Der Blick kommt von schräg hinten und geht in die Richtung, die der kleine Lokführer von der Lok aus überblicken soll. Das Schwellenband verschwimmt unter der fahrenden Lok.
Für diese Art des Modellbahnbetriebs braucht es lange Fahrstrecken, mehrere Bahnhöfe, möglichst Punkt-zu-Punkt-Betrieb. Die Elektrik kann jedoch einfach gehalten sein. Meist genügen handbetriebene Weichen; einfacher Analogbetrieb ist absolut ausreichend.

Beispiele: Meine eigene Anlage; eingleisige Modulanlagen wie oNeTRAK, etc

Fahrdiensleiter: Der Fahrdienstleiter sitzt am Gleisbildstellpult eines möglichst grossen Bahnhofs und lässt Züge ab. Das aneinander vorbei Jonglieren der verschiedenen Zugsbewegungen ist die ständige Herausforderung.
Für diese Art des Modellbahnbetriebs braucht es nebst dem grossen Hauptbahnhof mehrere (Doppelspur-) Strecken, die von einem automatischen Schattenbahnhof mit Zügen beschickt werden, damit der Fahrdienstleiter etwas zu tun hat. Eine Computersteuerung und Digitalbetrieb ist nicht zwingend erforderlich.

Beispiele: Die meisten Club-Anlagen

Zuschauer: Der Zuschauer sitzt im bequemen Sessel und schaut zu, was auf der Modellbahn passiert. Die Modellbahn ist quasi eine "Theaterbühne", die Züge sind die Darsteller.
Für diese Art des Modellbahnbetriebs braucht es eine vollautomatisierte Anlage. Meist wird dies eine lange Doppelspurstrecke mit irgend einem Unterwegsbahnhof sein. Es herrscht strenger Einrichtungsbetrieb. Ein oder mehrere grosse Schattenbahnhöfe sorgen für Abwechslung. Eine Streckenblockeinrichtung ermöglich wie beim Vorbild eine höhere Zugsdichte. Die erforderliche Vollautomatik läuft bei mehr als einem Doppelspur-Oval meist auf eine Computersteuerung hinaus - also eine digitale Modellbahn oder aber das wirklich gute, aber nicht ganz billige System von Gahler + Ringstmeier.

Beispiele: Alle Ausstellungsanlagen, auch doppelspurige Modulanlagen, die an Ausstellungen gezeigt werden

 


 

Schritt 2: Was will ich darstellen?

Idyllische Nebenbahn-Atmosphäre

Der erste Gedanke vieler Neueinsteiger ist eine doppelspurige Hauptbahn mit IC-Verkehr und grossem Bahnhof und dazu passender Grossstadt, und das alles auf einer kleinen Platte von vielleicht 1.0 x 1.60m. - Kurz: Aus so einem Gleishaufen wird selten eine Modellbahn.

Warum muss es immer die Doppelspur sein? Auch einspurige Linien haben ihren Reiz und oftmals viel mehr Charme als die durchtechnisierten doppelspurigen Hauptbahnen. Für "Lokalbahnromantik" braucht es eine kleine, einspurige Nebenbahn. Da ist dann ebenfalls fast alles möglich, auch beim Fahrzeugeinsatz, aber natürlich doch anders als bei der Doppelspur. Und wer unbedingt Hauptbahnverkehr mit IC's und langen Güterzügen will - auch das ist möglich auf einer Einspurstrecke. So war die Lötschberg-Strecke die ersten 80 Jahre ihres Bestehens einspurig.

Neben den fahrenden Zügen gibt es ja auch noch Rangierbetrieb. Das Zustellen und Umrangieren von Güterwagen kann ungeheur Spass machen! Und es braucht dazu nicht mal grosse Gleisanlagen. Im Gegenteil: Wenn die Gleisanlagen knapp sind, ergeben sich spannende Rangieraufgaben, die beim Lösen ganz schön Kopfzerbrechen bereiten können. Auf der Micro Layout Design Gallery sind Dutzende von Kleinst-Gleisplänen abrufbar, die stundenlangen Spielspass ermöglichen. Wer es noch etwas schwieriger mag, kann sich mal mit Shunting Puzzels (Rangierknobeleien) beschäftigen.

Vor allem brauchen wir ein Konzept! "Wenn man nicht weiss, wohin man will, muss man sich nicht wundern, wenn man ganz woanders ankommt..." Also überlege dir:

  • Wieviel Platz steht mir zur Verfügung?

  • Welche Bahnverwaltung will ich darstellen: SBB, Privatbahn oder "private Privatbahn"? (Lezteres ist eine imaginäre Bahn, die es nur auf der Modellbahn gibt, und die gerade deshalb viele Möglichkeiten bietet)

  • In welche gedachte Landschaft platziere ich mein Bahnprojekt?

  • Will ich eine reale Vorbildsituation nachbauen (schwierig), oder will ich eine imaginäre, aber mögliche Situation frei gestalten?

  • Will ich eher Nebenbahnbetrieb oder eher Hauptbahnbetrieb?

  • Will ich Einspur oder Doppelspur?

  • Will ich eher Fahrbetrieb oder Rangierbetrieb?

Du musst deine ganz persönliche Antwort finden auf diese Fragen. Ich habe für mich folgende Antworten gefunden: Meine Bahn ist landschaftlich in den Voralpen angesiedelt. Von der Landschaft und vom Streckenverlauf ist sie der Südostbahn nachempfunden (Steilrampen mit entsprechenden Triebfahrzeugen!), aber mangels SOB-Triebfahrzeugen wird meine Strecke von der SBB betrieben. Der lokale Hauptort und betriebliche Mittelpunkt meiner Anlage ist Seldwyla, ein imaginäres Kleinstädtchen irgendwo zwischen Mittelland und Voralpen. Mit dem Stichwort "SOB" ist auch klar, dass es eine Nebenbahn ist. Auf dem ganzen Streckennetz hat es viele Anschlussgleise für das lokale Gewerbe, damit ich Güterwagen rangieren kann.

Auf meiner Nebenbahn fahren nebst Regional- und kurzen Güterzügen auch kurze IC's mit vier bis fünf Wagen (wie bei der SOB), der TEE RAe" (wenn er auf Sonderfahrt ist) und der TGV (wie auf seiner Reise von Bern nach Paris durchs Val de Travers).

Es hat sich bewährt, dass man sich eine Geschichte zu seiner Modellbahn ausdenkt, die den Rahmen für den konkreten Betrieb abgibt. Dazu können folgende Fragen eine Hilfe sein:

Wo liegt deine Bahn?
Wie heissen die Bahnhöfe?
Was leben da für Leute?
Was arbeiten sie?
Warum benützen sie die Bahn?
Welche Probleme hat die Bahn?
Was tut sie zu deren Lösung?
Was für Züge verkehren da?
Kommen auch Züge aus der "grossen weiten Welt"? Warum?
Welche Rolle spielt der Güterverkehr?

 


 

Schritt 3: Finde ein Streckenkonzept

Stilisiertes Streckenkonzept

Damit deine zukünftige Anlage deine betrieblichen Anforderungen erfüllen wird, ist es hilfreich, wenn du dir Gedanken machst über das Streckenkonzept:
- Welche Fahrmöglichkeiten gibt es?
- Wo können Züge kreuzen und überholen?
- Wo können Züge weggestellt werden?
- Punkt-zu-Punkt Betrieb oder Kreisverkehr? Oder eine Mischform?

Ein stilisiertes Bild deines Streckenverlaufs mit den entscheidenden Gleisen und Weichen ist dazu hilfreich. Das Bild oben zeigt den stilisierten Streckenplan meiner Anlage. Gut sichtbar sind die beiden Kehrschleifen und die Stichstrecke nach Obertupfingen.

Schattenbahnhof nicht vergessen! Auch wenn du nur ganz wenig Platz zur Verfügnung hast, solltest du wenigstens einen kleinen Schattenbahnhof vorsehen, selbst wenn es nur drei Gleise sind. Der grösste Fehler bei meinen ersten Anlagen war der fehlende Schattenbahnhof. Damit stand immer mein ganzes Rollmaterial im "eigentlichen" Bahnhof herum und hat diesen regelrecht zugeparkt. So konnten die Gleise im Bahnhof ihre eigentlich zugedachte Funktion gar nicht mehr erfüllen. Darum: Unbedingt einen oder mehrere Schattenbahnhöfe vorsehen! Dabei auf gute Zugänglichkeit achten: Der Schattenbahnhof liegt "im Schatten", d.h. meist im Untergrund oder hinter der Hintergrundkulisse. Du musst bei Störungen etc. mit einer Hand gut eingreifen können.

Im Bild oben sind die drei Kopfbahnhöfe in den Kehrschleifen die Schattenbahnhöfe. Die beiden in der linken Kehrschleife - Seldwyla und Seldwyla Nord - sind als Fiddle Yard ("Grabbelbahnhof") konzipiert, d.h. das Umstellen und Neuformieren von Zügen ist erlaubt und erwünscht.

Teste dein Streckenkonzept! Gehe ins Kinderzimmer oder in die IKEA und hole dir eine Holzeisenbahn. Bereits mit wenigen entscheidenden Weichen kann untersucht werden, ob ein Streckenkonzept etwas taugt! Das Konzept im Bild oben (Hundeknochen, Fiddle Yard und Stichstrecke) habe ich mit vier Weichen aufgebaut und mit der Holzeisenbahn konnte ich bereits erkennen, ob das etwas wird.

 


 

Schritt 4: Konstruiere deine Bahnhöfe

Bahnhofsgleisplan mit Funktionsbezeichnung der Gleise

Versuche zu verstehen, was die einzelnen Gleise eines Bahnhofs machen. Jedes Gleis, jede Weiche hat eine ganz bestimmte Funktion - einfach "nur so zum Spass" liegen die nicht da! Widerstehe der Versuchung, deinen Bahnhof mit ein paar sinnlosen Weichen zu "garnieren". Jemand sagte einmal, er habe keine Idee für einen Bahnhof. Dieser Person habe ich einen Haltepunkt ohne Weichen und ohne Signale empfohlen. Mit etwas Fantasie, einem Park-and-Ride Parkplatz und ein paar Vorstadthäusern kann auch dieser einfache Haltepunkt eine schöne Szenerie ergeben.

Der Bahnhof im Bild oben besteht aus folgenden Elementen:

  • einem Überholgleis mit der grösstmöglichen Nutzlänge (beachte die Anordnung der Weichen!)

  • einem Ladegleis für Güterschuppen und Freiverlad

  • einem Abstellgleis für den Stationstraktor (Rangierlok) (kann auch für Freiverlad genutzt werden)

  • einem Aufstellgleis für die zur Abfuhr bereiten Güterwagen

  • einem Aufstellgleis für die neu zugeführten Güterwagen (muss bald geräumt werden, damit der Bahnhof wieder frei ist)

  • vier Anschlussgleisen mit total fünf Ladestellen.

Das kleine Büchlein "Vorbildliche Modell-Bahnhöfe / Alba-Modellbahn-Praxis - Band 6" war und ist mir selbst eine grosse Hilfe. Es erklärt, wie Bahnhöfe funktionieren und leitet an, sich seinen eigenen Bahnhof masszuschneidern.

Um einen Bahnhof mal kurz auszutesten, können ein paar Striche auf einem Blatt Papier (Gleisplan) und eine Anzahl Büroklammern hilfreich sein, die als "Züge" auf dem Gleisplan herumgeschoben werden. Oder wiederum die Holzeisenbahn aus dem Kinderzimmer oder der IKEA.

 


 

Schritt 5: Der Weg ist das Ziel

In einem guten Gleisplan steckt viel Arbeit

Ein guter Gleisplan entsteht nicht "von selbst". Da steckt immer erheblich viel Denkarbeit drin. Dieser Denkprozess gehört dazu und ist ja auch Beschäftigung mit dem Modellbahn-Hobby! An der Urversion von Seldwyla habe ich etwa ein Jahr geplant.

Ich studiere seit 1980 Gleispläne und Anlagenberichte. Diese liefern haufenweise Ideen, wie man etwas machen könnte - und manchmal auch, wie man etwas besser nicht macht. Darum: Kauf dir Modellbahnhefte und studiere Gleispläne. Dann kauf dir Gleisplanbücher und studiere noch mehr Gleispläne. Dann surfe im Internet und studiere Gleispläne. Dann geh auf Treffen und an Ausstellungen und studiere deren Gleispläne. Und dann beginne wieder von vorn...

Vier Google-Abfragen zu Gleisplanbildern:
Gleislpan
Gleispläne
Track Plan
Track Plans

Übrigens, wenn ich Gleispläne nur flüchtig gucke, finde ich sie oft langweilig. Damit ich den "Spielwert" eines Gleisplans erkennen kann, muss ich mich auf ihn einlassen, muss ihn durchdenken, in Gedanken durchspielen. Eine grosse Hilfe dabei ist, wenn der Autor des Gleisplans eine Geschichte zum Gleisplan liefert, die einen mitnimmt auf eine fiktive Reise über die kleine Bahn.

Du musst deinen Gleisplan selber entwickeln. Musst mit ihm "schwanger" gehen und mit ihm leben, ein inneres Bild von deiner Anlage entwickeln. Dann erwacht auch der einfachste Gleisplan zum Leben, und du hast dir einen persönlichen Bezug erarbeitet. Das ist es, was die Faszination der selbst gebauten Modellbahn ausmacht.

Und noch was: Der Computer ist bei diesem Prozess eher hinderlich, weil er deine Fantasie zu stark einschränkt. Besser bewährt haben sich mehr oder weniger massstäbliche Handskizzen wie im Bild oben. Wenn dein Gleisplan dann fixfertig ist, mag der Computer hilfreich sein für die Reinzeichnung.

 


 

Schritt 6: Der "Testkreis"

Der Testkreis - damit du nicht warten musst

In der Zwischenzeit, also während der Planungsphase, die ziemlich lange dauern kann, kannst du ein einfaches Oval mit wenigen Weichen auf ein Brett montieren. Dies ermöglicht dir, bereits zu fahren und zu träumen.

Fang einfach mal an und dann schau, was passiert und wie es geht und was dir gefällt. Übung macht den Meister und fast alle haben so begonnen. Du wirst schon sehen! Durch die Stückgleise hast du die Möglichkeit, jederzeit umzubauen und damit vertust du dir keine Möglichkeiten. Aber du kannst schon bald fahren und das macht Spass!

Übrigens, der oben abgebildete Gleisplan ist eigentlich viel mehr als ein Testkreis. Er ist eine vollwertige Anlage, die im Lauf des Planungs-Workshops auf 1zu160.net entwickelt wird.

 

Meine persönliche Geschichte "vom Kreisverkehr zum Betriebserlebnis" findest du hier.

Weitere Hinweise zur Anlagenplanung findest du hier.


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