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Analog oder Digital?

Nachfolgend ein paar Ausschnitte aus einer Diskussion, die wir Anfangs 2002 auf N-Spur-Schweiz geführt haben.

Wenn du Mühe hast, den Unterschied zwischen analoger und digitaler Modellbahn-steuerung zu verstehen: Ich habe ein kleines Tutorial Analog / Digital erstellt.

Und nun zur Diskussion:


Digital ist schlecht! (...eine Polemik) von Felix Geering

Um es vorweg zu nehmen: Ich habe nichts gegen Computer oder Digitalsysteme. Ich halte sie einfach für ungeeignet bei Spur N Eisenbahnen.

"Digital" kommt für mich aus verschiedenen Gründen nicht in Frage. Zum einen sind die meisten Modelle in N-Spur nach Schweizer Vorbild für Gleichstrom gebaut und fahren schon ziemlich gut. Was soll ich da also Hunderte von Franken investieren in Digitaldecoder, nur damit ich nachher gleich gut fahren kann? <:-(

Und das Kontaktproblem ("stotter and go") lösen Digitaldecoder nicht. Da hilft wirklich nur eine genügend grosse Schwungmasse.

Das andere ist: In einer Spur N Lokomotive ohne Schnittstelle hat es im Prinzip keinen Platz, um einen Decoder hinein zu basteln. Da ist mir das Risiko bei einem hausgemachten "Bastel-Umbau" zu gross. Und wenn man Ballast-Gewichte verkleinern muss... Wie werden da wohl die Traktionseigenschaften? Wohl auch nicht besser.

Dann ist da noch eine grundsätzliche überlegung zum Thema "Digital": Wenn jemand mit dem PC seine Modellbahn steuern will, ist Digital natürlich optimal und es führt fast kein Weg daran vorbei. Das ist auch eine Herausforderung - gerade für die Kids, die meinen, sie haben jetzt den Stromkreis begriffen - aber das will ich doch gar nicht!! Bei mir darf nicht der Computer mit der Eisenbahn spielen. Das will ich selber!

Könnte man einwenden: "Aber man kann doch auch ohne Computer digital fahren." - Ja, könnte man schon. Aber die Steuerkonsolen sind unbrauchbar. Bei den Loks: Erst eine Lokadresse eintippen (wie war die jetzt schon wieder??) und erst dann kannst du Geschwindigkeit oder Richtung ändern. Bis dann hat es schon längst gekracht... Und wenn man mehrere Steuergeräte einsetzt - wo bleibt denn dann der Vorteil gegenüber dem analogen Betrieb? Falls überhaupt ein Vorteil übrig bleibt, würde mich das Kosten / Nutzen-Verhältnis interessieren...

Bei den Magnetartikeln ist es auch nicht besser: Ich steuere eine Weiche oder eine Fahrstrasse lieber über ein Gleisbildstellpult statt über eine numerische Adresse. "Da sieht man, was man hat." (beim Gleisbildstellpult nämlich). Ich habe aber beim Durchblättern der Kataloge und der Fachzeitschriften noch kein vernünftiges Gleisbildstellpult für Digitalsysteme gesehen - es sind alle auf analoger Technik basiert. Eine Alternative ist ein Gleisbildstellpult am Bildschirm, das man mit der Maus bedienen kann, das wäre zumindest denkbar. Aber dann hab ich wieder den Computer im Eisenbahnzimmer und das will ich nicht. Ich gucke schon so den ganzen Tag in die Röhre.

Der grösste Vorteil von digitaler Magnetartikelsteuerung ist der reduzierte Aufwand bei der Verkabelung. Der fällt aber geld- und arbeitsmässig erst ab mittleren Anlagen ins Gewicht (bzw. vorher ist es zu Ungunsten von "Digital"). Zum Beispiel bei einer Gartenanlage ist "Digital" super, auch wenn es nur ein paar wenige Weichen gibt. Aber in den kleinen Spuren? Da ist räumlich alles so nah beisammen, da brauchst du eher mehr Kabel mit Digital als ohne...

Und noch etwas: Vor zehn Jahren meinte ich, es müsse unbedingt ein Gleisbildstellpult her, nur eine elektrisch ferngesteuerte Weiche sei eine "richtige" Weiche... Heute stelle ich meine Peco-Weichen von Hand und bin glücklich damit. Und mindestens so schnell wie jemand auf dem Gleisbildstellpult. Nur ist es manuell ein Mehrfaches billiger.

Für einzelne schwer zugängliche Weichen kann man einen "Velospeichen- Antrieb" machen, das ist eine Stange, mit der man vom Anlagenrand aus die Stellschwelle bedienen kann. Elektrisch ferngesteuerte Weichen würde ich heute nur noch in einem unzugänglichen Schattenbahnhof einbauen. Aber vorher würde ich versuchen, den Schattenbahnhof an einen Ort zu verlegen, wo er zugänglich ist... Dann wird es ein "Fiddle Yard", ein Abstellbahnhof, wo voll Betrieb gemacht werden kann, und nicht nur ein Schattenbahnhof. Auf meiner Anlage ist der grosse Endbahnhof auf der untersten Etage genau so ein "Fiddle Yard". Es ist ein Kopfbahnhof mit immerhin 12 Gleisen und 14 Weichen! Alle von Hand betätigt. Der Spielspass ist voll gegeben und die Züge kommen erst noch neu zusammengestellt aus dem Untergrund zurück.

Wohlverstanden: Ich habe nichts gegen Computer oder Digital. Ich meine einfach, in den kleinen Spuren bringt es wenig, und ich persönlich halte die Konsolen für unbrauchbar.

Nachtrag: Mittlerweile (Stand 2006) sind einige brauchbare digitale Handregler erhältlich, mit denen der Fahrbetrieb Spass macht. Auch die ortsfesten Fahrregler haben Fortschritte gemacht. Trotzdem ist nach wie vor für jedes fahrende Fahrzeug ein eigener Regelknopf notwendig - anders ist ein sicherer Betrieb nicht möglich.

 

Bitte beantworte auch die folgende kleine Mini-Umfrage, damit wir etwas über deinen Hintergrund erfahren:

1) Mit was für einem Fahrgerät fährst du zur Zeit? (Regeltrafo, PWM Fahrpult, Digital-Fahrpult, Walk Around Regler, etc.)

2) Wieviele Weichen hat deine Anlage zur Zeit?

3) Wie steuerst du deine Weichen zur Zeit? (von Hand, analog, digital, ohne / mit Gleisbildstellpult, etc)

3) Was denkst du zum Thema "Automatikbetrieb"?

4) Was denkst du zum Thema "Computer und Eisenbahn"?

5) Was ist der grösste Vorteil von "Analog"?

6) Was ist der grösste Mangel von "Analog"?

7) Was ist der grösste Vorteil von "Digital"?

8) Was ist der grösste Nachteil von "Digital"?


Hundert Prozent Zustimmung von Markus Giger-Baumann

Hundert Prozent Zustimmung, obwohl ich HO und HOe Modellbahner bin (nebenamtlich [also auf das Hobby bezogen]:-)

4) Was denkst du zum Thema "Computer und Eisenbahn"? zwei nützliche Dinge, aber was soll das "und" dazwischen?

5) Was ist der grösste Vorteil von "Analog"? Elektrotechnik "zum Anfassen" - da lernen meine Kinder was!

6) Was ist der grösste Mangel von "Analog"? im Schweisse deines Angesichts ... isolierst du Gleisabschnitte verlegst du Dekameter um Dekameter von Kabel (SBB-Quizfrage: wer weiss, wieviel ein Dekameter ist?)

7) Was ist der grösste Vorteil von "Digital"? man kann alles machen, was man nicht will

8) Was ist der grösste Nachteil von "Digital"? man kann es in Franken ausdrücken, man kann es in Euro ausdrücken, aber auch in Dollars ...


Also da muss ich dagegen stimmen. von Tom Waefler

In erster Linie fahren wir NICHT digital, weil das Fahrverhalten besser werden sollte, sondern um die verschiedenen Möglichkeiten von Fahrplanbetrieb, Weichen- und Signalsteuerung etc. zu automatisieren. Gewisse Loks haben sicherlich etwas bessere Lauf- eigenschaften, aber das ist kein Thema. Punkto Decodereinbau - ich habe die Decoder in die meisten Loks (14 von 15) reingebracht und dies ohne spanabhebende Bearbeitung ! Hunderte von Franken kostet lediglich das Grund- system, eine Lok umzubauen kostet knappe 50 Fr. für den Decoder. Wenn Du ihn einbauen lassen willst kostet es noch 40 - 50 Fr. mehr. Ich würde niemals mehr vom digitalen System weg.

Bei einer Anlage mit über 100 Meter Gleis ist ein nicht halbwegs automatisierter Betrieb fast unmöglich, ausser man fährt mit nur einer Lok.

Sobald man sich Gedanken macht, ob eine automatisierte Steuerung (voll- oder halbautomatisch) eingesetzt werden soll, würde ich in den meisten Fällen sofort auf Digital setzen. Mit Relaistechnik etc. ist schon ab einem gewissen Steuerungsumfang die Preisgrenze schnell mal höher als die digitale Variante.

1) Mit was für einem Fahrgerät fährst du zur Zeit? Uhlenbrock Intellibox

5) Was ist der grösste Vorteil von "Analog"? Günstig, problemlos - wenn keine grossen Schaltungen

6) Was ist der grösste Mangel von "Analog"? Je mehr Schaltungen, desto teurer, fehleranfällig - weniger logisch

7) Was ist der grösste Vorteil von "Digital"? Nachvollziehbar, einfach und logisch erweiterbar.

8) Was ist der grösste Nachteil von "Digital"? Einsteigspreis, gewisse Grundlagen erforderlich


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